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Bortenschlager

 

fitz Pfaffenhofen. Besinnliche Stunden standen bei der Lesung mit Gerd und Katharina Fitz am Freitag Abend im Rahmen der Reihe "Kleinkunst und Kabarett " im Bortenschlager-Saal auf dem Programm. Stimmungsvoll auf Hackbrett und Flöte von der "Tiefenbacher Stubenmusi" umrahmt, unternahmen der bekannte bayerische Volksschauspieler und seine Tochter einen literarischen Streifzug durch die "bairische Literatur". Es sei wohltuend, sagte Gerd Fitz zur Begrüßung der rund 130 Zuhörer, zur Abwechslung einmal alte Geschichten und Gedichte zu hören, in einer Zeit, in der " Weihnachtsmusik schon per Internet durch die ganze Welt geschleudert" werde. Heiteres und Nachdenkliches, Alt- und weniger Bekanntes präsentierte das bayerische Urgestein anschließend im Wechsel mit seiner Tochter, die ihrem Vater an Charme und eindrucksvollem Vortrag in nichts nachstand: So war von der Herkunftsgeschichte des beliebten Christ-Stollens ebenso zu hören wie vom Wandel der Wunschzettel über viele Generationen hinweg. Die Geschichte vom "Oh-wie-Lacht" durfte dabei ebenso wenig fehlen wie der Bittbrief einer Pfaffenhofener Rentnerin, der versehentlich beim Finanzamt landete, oder die detailliert beschriebene Vorbereitung einer "original bayerischen" Vereins-Weihnachtsfeier, bei der, angefangen von der Anwesenheitsliste über die feierliche Ansprache des Vorsitzenden bis hin zum "Prosit auf unseren Sponsor" alles bestens geplant wurde. Mit großem Applaus wurden Gerd und "Kathi" Fitz und ihre musikalischen Begleiter nach gut eineinhalb Stunden schließlich von der weihnachtlich geschmückten Bühne entlassen, und vielen der meist "reiferen" Besucher war die Entspannung nach einer arbeitsreichen Woche förmlich anzusehen.
(Foto/Text: Foerster)




iberlbuehne 01

Iberl-Bühne sang in gelungener Inszenierung "Das Lied vom Wildschütz Jennerwein"

Pfaffenhofen. Weiß-blaues Theater hat wieder Hochkunjunktur. In Zeiten eines Überangebotes an mehr oder weniger plumpen Comedy-Shows eilen der bayerischen Sprache mächtige Zuschauer in Scharen ins Volkstheater, von dem Bert Brecht sagte, da gäbe es "derbe Späße gemischt mit Rührseligkeiten, da ist hanebüchene Moral und billige Sexualität. Die Bösen werden gestraft und die Guten werden geheiratet, die Fleißigen machen eine Erbschaft und die Faulen haben das Nachsehen". Bayerische Volksstücke sind zeitlos, ihre Inszenierungen können volkstümlich-dümmlich bis anbiedernd-populistisch sein oder gelungen, wie "Das Lied vom Wildschütz Jennerwein", das die Iberl-Bühne in zwei Aufführungen im Bortenschlager-Saal zeigte. Die dreiaktige Posse von Georg und Georgia Maier läßt als Theater im Theater die Legende des gemeuchelten Wildschützen Jennerwein wiederaufleben. Klosterwirt Nepumuk Hupfauf (Franz Xaver Huber) müht sich redlich als symphathischer Spielleiter des örtlichen Bauerntheaters seine Anweisungen durchzusetzen. Insbesondere der selbstverliebte Staatsdiener und Oberjäger Röderl (opportun, gerissen, machthungrig: Georg Maier), den Hupfauf für die Rolle des Mörders vorgesehen hat, versucht immer wieder ihm dazwischen zu funken. Selbst die über alles bestens informierte Souffleuse Kropflechnerin, Köchin beim Klosterwirt (wunderbar gschnappig: Margot Dürrmeier) kann es nicht lassen, ständig ihren Senf dazu zu geben. Als recht moderner Typ erscheint der Holzknecht und Wilderer Dennerlein (Markus Neumaier gibt ihn überzeugend als selbstbewussten Macho), der im Stück den Jennerwein spielen soll und wie alle Jahre zuvor Jennerweins Grab an dessen Todestag mit einem illegal erlegten Wild schmücken will. Röderl hat davon Wind bekommen, hält auch während der Probenarbeit ein wachsames Auge auf den Wilderer und möchte ihn auf frischer Tat als solchen überführen. Doch da hat er Agerl, das Mädchen aus der Stadt, unterschätzt, das in der Klosterverwaltung arbeitet und die Sittsamkeit der Theaterleute bei den Proben ausspionieren soll. Die junge Sennerin (grazil, aufgeweckt, natürlich und voller Charme: Eva Maria Höfling) hat es faustdick hinter den Ohren; als vermutliche Tochter Jennerweins (wos gwis woas ma net") steht sie auf der Seite des Wilderers und hilft ihm aktiv, den aufgeblasenen Röderl zu blamieren. In einem stimmig-anheimelndem Bühnenbild (Inszenierung: Georg Maier) agierten eine Hand voll Vollblut-Schauspieler zwei Stunden lang in bis hin zu Agerls abgewetzten Lederstiefeln perfekten Kostümen. Die Personen waren treffend besetzt und glänzten nicht nur durch Sprachwitz sondern auch beherztes Zulangen; "Schlawuzi" Dennerlein beispielsweise durfte genüsslich Agerl abgrappschen und sogar für einen kurzen Moment sein gänzlich entblößtes Hinterteil (welch ein Aufschrei im Publikum!) zeigen, als ihm seine Mitspielerinnen die Hose vom Leib rissen. Primitiv-derb war das Stück deswegen in keinster Weise, denn ebensoviel wie die Iberl-Bühne mit dem "Lied vom Wildschütz Jennerwein" fürs Auge bot, konnte der konzentrierte Zuschauer zwischen den Zeilen heraushören. Und eine Nachhilfestunde in kulinarischen Genüssen aus der bayerischen Küche wurde gleich mit geliefert: Kuchlmensch Steff (Nadja Nagl mit der Gabe, immer im unpassenden Moment zu erscheinen) trug allerhand Töpfe und Pfannen mit Soßen und Suppen (Böfflamod und saures Kartoffelgmias) zum Abschmecken auf die Bühne und reichte sie schon mal zum Probieren ans Publikum weiter. Zur Passivität verurteilt waren die Zuschauer im ausverkauften Bortenschlager Saal weiß Gott nicht! Denn außer einem Herrn in der ersten Reihe, der als "Kasi" mit ins Stück integriert war, wurde immer wieder spontan der Bezug zum Publikum geknüpft. Schließlich braucht ein Volksstück auch einen örtlichen Gesangsverein, und wer eignete sich besser, "das Lied vom Wildschütz Jennerwein" aus vollem Munde mitzusingen, wenn nicht 300 Männer und Frauen im Wirtsaal?

Gisela Stingl
21.11.2000 / Pfaffenhofener Kurier