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OpenAir2000


Nena-1col

"Nena" sang vom Sommer und der Himmel öffnete alle Schleusen

Kurzer Wolkenbruch konnte Partystimmung beim Open-Air nicht trüben

Scheyern. Ausgerechnet, als "Nena" im Scheyerer Prielhof ihren Song "Wenn wenigstens Sommer wär" anstimmte, öffnete der Himmel alle Schleusen. Doch auch der kurze Wolkenbruch konnte die Stimmung beim Open-Air im alten Gutshof an den Klosterweihern nicht trüben und nur wenige Fans verließen fluchtartig das Gelände. Die anderen feierten mit der Sängerin und ihrer ausgezeichneten fünfköpfigen Begleitband noch eine tolle Party, die die alten Mauern des Prielhofes zum Beben brachte. Überschattet wurde das Open-Air von einem tödlichen Verkehrsunfall, der sich nach dem Konzert bei den Scheyerer Klosterweihern ereignete (siehe getrennten Bericht).

Rund 1300 Gästen, nicht ganz so viele wie bei Erkan & Stefan am Tag zuvor, waren am Sonntagabend zur zweiten Open-Air-Nacht der "Kulturfirma" Karl Kaeser und des Pfaffenhofener Kurier in den Prielhof gekommen. Sie wollten wissen, was aus Nena geworden ist. Das kulleräugige "Girlie" der achtziger Jahre, das mit seinen Kultsong "99 Luftballons" und Titeln wie "Nur geträumt" oder "Irgendwie, irgendwann, irgendwo" kurzzeitig international erfolgreich geworden war und eine ganze Generation in die Plattenläden gelockt hatte, hat jedenfalls nichts von seiner Ausstrahlung verloren und ist zur echten Rocklady gereift: Mit selbstsicherer Weiblichkeit versteht sie es, ihr Auditorium in ihren Bann zu ziehen und vom ersten Ton an voll in der Hand zu behalten: Mal entfesselter Derwisch, mal melancholische Balladensängerin oder rockende Gitarristin, nimmt das zierliche Energiebündel, dem seine 40 Jahre nicht anzusehen sind, sein Publikum in Windeseile mit auf die Reise durch ein bewegtes Leben, das auch musikalisch seine (hörenswerten) Spuren hinterlassen hat.

Ob mit neueren Titeln wie "Silbermond", "Es ist in Ordnung", "Das ist normal" oder alten Ohrwürmern wie "Wunder gescheh'n" oder "Leuchtturm" - auch heute noch versteht es Nena als röhrende, rockende, flüsternde und stöhnende Powerfrau, auf der Bühne ihre eigene Lebensfreude rüber zu bringen und einen Konzertabend in eine einzige fröhliche Party zu verwandeln.

Auffällig an diesem Abend war die bunte Mischung des Publikums, das sich aus den ehemaligen Teenagern der 80er-Generation ebenso zusammensetzte wie aus den heutigen Kids, die erstaunlich textsicher die gelungene Mixtur als Alt und Neu begleiteten.

Tanzten während des knapp zweistündigen Konzerts immer wieder einzelne mitgebrachte bunte Luftballons über den Köpfen der Besucher, so sorgte ein ganzer Schwarm, der gegen Ende des Abends beim Hit "99 Luftballons" in den nächtlichen Himmel geschickt wurde, noch für ein optisches Highlight. Kein Wunder, dass Nena erst nach mehreren Zugaben, begleitet von Sternwerfern, Feuerzeugflämmchen und lauten Beifallskundgebungen von der Bühne entlassen wurde. Ein wenig schade nur, dass die Tonanlage beim offensichtlich in Eile durchgeführten Sound-Check während des verregneten Nachmittags nicht ganz optimal eingestellt worden war und leider nicht die Qualität der tollen Licht-Show erreichte.

Über eine große Fangemeinde durfte sich zu Beginn des Abends auch die Schweitenkirchener Band "Fly Busker" freuen, die als Vorgruppe zu einem "Heimspiel" auf der Bühne stand. Die fünfköpfige Gruppe, die sich in der Kreisstadt schon bei mehreren Kneipenfestivals einen Namen gemacht hat, überzeugte auch beim Prielhof-Open-Air wieder einmal mit ihren hervorragenden musikalischen Qualitäten. Vor allem die Leadsängerin Christine Loibl brillierte nicht nur mit Klassikern wie "Summertime", sondern auch mit eigenen Songs der Gruppe von Folk und Rock bis zu Country- und Blues- Nummern.

31.07.00 / Pfaffenhofener Kurier

Autor: foe
Fotograf: Förster